Oft ist das Problem nicht unlösbar. Aber es sieht danach aus, weil unser Blick zu eng geworden ist.
Was tun, wenn ein Streit mit dem Partner völlig eskaliert? Wenn ihr euch eigentlich liebt, aber plötzlich nur noch Wut da ist? Wenn du seit Tagen über eine Situation nachdenkst und trotzdem zu keiner Lösung kommst?
Wenn du irgendwann nur noch denkst: „Ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll.“
In solchen Momenten suchen wir meistens nach einer Antwort. Wer hat recht? Wer hat angefangen? Was hätte der andere anders machen müssen? Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Und manchmal wird aus einem einzelnen Konflikt plötzlich eine viel größere Frage: „Was stimmt eigentlich mit unserer Beziehung nicht?“
Vielleicht sogar:„Ist das überhaupt noch der richtige Mensch für mich?“
Genau an diesem Punkt kann eine andere Perspektive überraschend viel verändern. Das heißt nicht, dass jemand dir sofort sagt, was du tun musst. Aber die andere Perspektive kann sichtbar machen, was in einer Situation alles gleichzeitig geschieht.
Eine solche Perspektive sind die sieben Hermetischen Gesetze. Stell sie dir wie eine kleine Gebrauchsanleitung für dein Leben und deine Beziehungen vor. Klingt gerade noch etwas abstrakt?
Kein Problem. Wie das funktionieren kann, zeigt eine Geschichte, wie sie sich in ähnlicher Form wahrscheinlich in vielen Beziehungen abspielen könnte.
Es sollte doch nur um einen Urlaub gehen
Stell dir ein Paar vor. Sie lieben sich. Eigentlich. Und trotzdem sitzen sie gerade getrennt voneinander in ihrer Wohnung. Seit Tagen herrscht eisige Funkstille zwischen den beiden.
Der Grund?
Der Urlaub im Februar.
Er möchte nach Norwegen: Hundeschlitten fahren durch verschneite Landschaften. Draußen sein. Natur, Herausforderung, Abenteuer. Und vor allem: einmal raus aus allem. Keine Termine. Keine Verpflichtungen. Keine Menschen. Ein paar Tage, in denen er ganz bei sich sein kann.
Sie möchte etwas völlig anderes: Wärme. Sonne. Entspannen. Nichts planen müssen. Den Tag auf sich zukommen lassen. Andere Menschen treffen. Und vor allem: nicht für alles verantwortlich sein müssen.
Eigentlich ist das noch kein Drama. Zwei Menschen wollen unterschiedliche Dinge – das lässt sich normalerweise besprechen. Aber diesmal liegt etwas unter der Oberfläche.
Er denkt an die vergangenen Jahre. Immer wieder hat es sich so angefühlt, als hätten sie am Ende das gemacht, was sie wollte. Und seine eigenen Wünsche? Die kamen zu kurz.
Diesmal soll es anders sein. Das nimmt er sich fest vor. Im Kopf legt er sich schon alle die Argumente bereit, die dafür sprechen, dass Norwegen die viel bessere Option ist. Auch für sie.
Und damit beginnt das Problem vielleicht schon, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat.
„Aber warum muss es denn immer nach dir gehen?“
Als sie über den Urlaub sprechen, versucht er zunächst, vernünftig zu argumentieren. Norwegen wäre doch großartig: Natur und Abenteuer. Eine gemeinsame Erfahrung, die wirklich in Erinnerung bleibt. Er erklärt ihr, warum die Reise auch für sie schön sein könnte.
Sie beginnt, Einwände zu nennen: Was, wenn das Wetter schlecht wird? Was, wenn etwas passiert?Sie kennen die Bedingungen dort überhaupt nicht. Und allein das alles zu organisieren, noch dazu von daheim, das ist doch ganz viel Stress.
Er hört ihre Worte. Aber er hört vor allem etwas anderes: „Dein Wunsch ist mir egal.“
Also argumentiert er weiter. Sie wird angespannter. Er wird noch bestimmter. Sie zieht sich zurück. Er drängt weiter. Und irgendwann geht es überhaupt nicht mehr um Norwegen. Es geht darum, wer von beiden den anderen endlich verstehen soll.
Die Stimmen werden lauter. Vorwürfe fallen. Dann Beschimpfungen. Eine Tür knallt. Danach: Schweigen.
Nicht das friedliche Schweigen zweier Menschen, die gerade Abstand brauchen. Die Art von Schweigen, bei der beide innerlich weiterkämpfen.
Durch winterliche Einsamkeit mit einem Hundeschlitten fahren: Nicht der Urlaubstraum von jedem.
Einige Tage später
Er liegt abends allein auf dem Sofa. Und je länger er darüber nachdenkt, desto wütender wird er. Ihre Argumente erscheinen ihm inzwischen lächerlich. Natürlich kann man das Wetter vorher prüfen. Natürlich kann man sich vorbereiten. Aber warum muss sie eigentlich immer alles so kompliziert machen?
Dann kommt ihm ein anderer Gedanke: Vielleicht ist sie einfach nicht die Richtige für mich.
Vielleicht passen sie gar nicht zusammen. Immerhin sind ihre Vorlieben genau entgegengesetzt. Absolut unvereinbar. Vielleicht hat er sich all die Jahre etwas vorgemacht. Und wenn er ehrlich ist, spürt er gerade sogar etwas, das sich fast wie Hass anfühlt.
Wie kann ein Mensch, den man liebt, einem plötzlich so fremd sein? Und wie kann aus einer Diskussion über einen Urlaub innerhalb weniger Stunden ein Konflikt werden, der die ganze Beziehung infrage stellt?
Und jetzt?
Genau an dieser Stelle wird es interessant.
Denn wenn wir mitten in einer solchen Situation stecken, ist unser Blick normalerweise extrem eng. Wir sehen vor allem: den anderen. Was er gesagt hat. Was sie getan hat. Was er falsch gemacht hat. Was sie nicht verstanden hat.
Und je stärker unsere Gefühle werden, desto überzeugender erscheint uns unsere eigene Geschichte. Das ist menschlich. Aber genau deshalb kann es hilfreich sein, die Situation einmal durch eine andere Linse zu betrachten.
Eine der Linsen, mit denen ich als Begleiter für Menschen vorgehe, sind die sieben Hermetischen Gesetze.
Sie sind keine Sammlung von Regeln, die man befolgen muss. Du kannst sie dir vorstellen wie ein Denkwerkzeug – oder eben wie eine Gebrauchsanleitung für dein Leben und deine Beziehungen. Oder auch als Möglichkeit, eine Situation aus mehreren Richtungen anzuschauen.
Und plötzlich sieht derselbe Streit anders aus.
Prinzip Ursache und Wirkung: Was habe ich selbst mit in die Situation gebracht?
Das sechste Hermetische Gesetz beschreibt das Prinzip von Ursache und Wirkung: Nichts geschieht völlig zufällig. Erfahrungen haben Ursachen – und diese Ursachen können zeitlich weit vor dem sichtbaren Ergebnis liegen.
Für den Mann aus unserer Geschichte könnte das eine unbequeme Frage bedeuten: Mit welcher inneren Haltung bin ich eigentlich in dieses Gespräch gegangen?
Er wollte endlich, dass seine Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das ist verständlich. Aber er hatte die vergangenen Jahre bereits mitgebracht: Seine Enttäuschung und seinen Ärger. Sein Gefühl, immer zurückstecken zu müssen.
Daraus entstand sein Entschluss: Diesmal werde ich mich durchsetzen.
Die Spannung ist also nicht erst entstanden, als seine Frau ihren ersten Einwand formulierte. Sie war bereits da. Womöglich ist er in das Gespräch von Beginn an mit genau jener Härte gegangen, die er seiner Frau später vorgeworfen hat. Er wollte, dass sie seine Bedürfnisse berücksichtigt. Aber er hatte selbst aufgehört, ihre Bedürfnisse wirklich zu berücksichtigen.
Das ist kein Grund, ihm die Schuld zu geben. Es ermöglicht etwas viel Interessanteres: Es gibt ihm wieder einen Handlungsspielraum.
Denn wenn ich selbst Teil der Dynamik bin, kann ich auch etwas an ihr verändern.
Prinzip Resonanz: Warum trifft mich das gerade so stark?
Das Prinzip der Analogie oder Resonanz fragt danach, was das, was uns begegnet, in uns selbst berührt.
Das ist nicht zu verstehen im Sinne eines simplen „Du ziehst alles selbst an“. Es ist eher eine Einladung, genauer hinzuschauen: Warum löst gerade diese Reaktion des anderen so starke Gefühle in mir aus?
In unserem Beispiel: Warum macht ihn ihre Vorsicht so wütend? Vielleicht weil sie für ihn nach all den Jahren wieder genau das Gefühl auslöst: „Meine Wünsche zählen nicht.“
Und plötzlich ist der Streit über Norwegen nicht mehr nur ein Streit über Norwegen. Er berührt eine viel ältere Geschichte.
Prinzip Polarität: Muss das, was mich stört, wirklich nur schlecht sein?
Jetzt kommt ein besonders spannender Perspektivwechsel.
Das Prinzip der Polarität besagt: Gegensätze gehören zusammen. Was wir als negativ erleben, trägt immer auch die andere Seite in sich.
Seine Frau findet das Abenteuer gefährlich. Sie möchte nichts planen. Sie möchte Verantwortung abgeben.
Bis hierhin sieht er darin nur Hindernisse. Aber was passiert, wenn er ihre Einwände nicht mehr als Widerstand gegen seinen Wunsch betrachtet? Was, wenn in ihrem „Nein“ auch etwas Wertvolles steckt?
Dann wird aus: „Sie verhindert mein Abenteuer.“ plötzlich: „Sie erinnert mich an etwas, das ich gerade nicht sehen will.“
Vielleicht ist eine Hundeschlittenreise tatsächlich anspruchsvoller, als er sich vorgestellt hat. Eventuell könnten ja Wetter und Bedingungen in Norwegen im Februar eine ernsthafte Rolle spielen. Vielleicht hat er die Organisation bisher romantisch unterschätzt.
Und vielleicht muss ein Abenteuer gar nicht bedeuten, dass er allein für alles verantwortlich ist.
Plötzlich entsteht eine dritte Möglichkeit
Was wäre, wenn sie nicht einfach zu Hause bleibt? Was wäre, wenn sie gemeinsam eine organisierte Hundeschlittenreise buchen? In einer Gruppe, mit einem Veranstalter, der die Route und die Sicherheitsbedingungen kennt.
Jemand anderes übernimmt den organisatorischen Rahmen. Er bekommt seine Natur, seine Herausforderung und seine Zeit draußen. Sie bekommt die Möglichkeit, sich auf das Erleben einzulassen, und ihr Bedürfnis nach Kontakt mit Menschen zu erfüllen. Ohne selbst für alles verantwortlich sein zu müssen und im Vorfeld Stress mit der Planung zu haben.
Und vielleicht entdecken beide sogar etwas, das keiner von ihnen am Anfang gesehen hat: Sie wollten gar nicht so unterschiedliche Dinge.
Sie wollten beide eine gute Zeit miteinander, die in Erinnerung bleibt. Nur ihre Vorstellungen davon sahen zunächst völlig verschieden aus.
Das Prinzip des Geschlechts: Wo sind gerade unsere beiden Seiten?
Ein weiteres hermetisches Prinzip beschreibt männliche und weibliche Qualitäten. Dabei geht es nicht darum, Männern bestimmte Eigenschaften und Frauen andere zuzuschreiben.
Es geht um zwei unterschiedliche Kräfte: Die eine ist eher aktiv, entscheidend, voranschreitend, und rational. Die andere eher empfangend, fühlend, zulassend und intuitiv.
In unserer Geschichte steckt der Mann fast vollständig in der ersten Tendenz: Er plant und argumentiert. Er entscheidet. Er will vorangehen – auch allein. Sie verkörpert stärker die andere: Sie möchte offenlassen. Fühlen. Sich treiben lassen. In Kontakt gehen. Verantwortung abgeben.
Beides hat seinen Wert.
Aber wenn ein gemeinsames Vorhaben entstehen soll, braucht es meistens beides. Nur Aktivität wird schnell hart – und nur Offenheit kann schnell richtungslos werden. Ein gemeinsamer Urlaub braucht Aktivität und Empfangen. Planen und auf sich zu kommen lassen. Mut und Vorsicht.
Und vermutlich gilt das so oder so ähnlich für die allermeisten Projekte im Leben.
Prinzip Rhythmus: Diese Situation ist nicht für immer so
Das Prinzip des Rhythmus erinnert daran, dass nichts dauerhaft in einem Zustand bleibt. Auch ein Konflikt nicht. Auch Wut nicht. Auch die scheinbar endgültige Erkenntnis: „Mit uns ist es vorbei.“
Wenn Menschen mitten in einem Streit sind, fühlt sich das häufig anders an. Dann erscheint der gegenwärtige Zustand wie die Wahrheit über die ganze Beziehung. Aber Gefühle bewegen sich, und Beziehungen bewegen sich. Menschen bewegen sich.
Die eisige Stille zwischen den beiden muss deshalb nicht das Ende ihrer Liebe bedeuten. Sie ist zunächst einmal: ein Zustand. Und Zustände können sich verändern.
Prinzip Schwingung: Was geschieht, wenn sich meine innere Haltung verändert?
Das Prinzip der Schwingung beschreibt, dass nichts vollkommen statisch ist. Auch unsere Gedanken und Gefühle sind in Bewegung.
Der Mann hat zunächst eine hohe innere Anspannung. Dann kommt Wut. Dann Enttäuschung. Dann vielleicht sogar Hass. Und aus diesem Zustand heraus betrachtet er seine Frau. Natürlich erscheint sie ihm dann anders. Wenn sich seine eigene innere Bewegung verändert, verändert sich auch das, was er wahrnehmen kann.
Vielleicht entdeckt er plötzlich: Sie wollte ihn gar nicht von seinem Abenteuer abhalten. Sie hatte Angst um ihn. Sie wollte eine schöne Zeit mit ihm verbringen. Auch sie wollte etwas Besonderes zusammen erleben. Nur eben ein bisschen anders.
Und dann geschieht etwas Entscheidendes: Er kann seine Liebe zu ihr wieder spüren.
Es wäre sehr schwierig gewesen, ihn irgendwie dazu zu überreden, dass er seine Frau lieben sollte. Aber in dem Moment, wo seine eigene innere Verfassung sich verändert, geschieht es von allein.
Infografik
Und plötzlich ist da wieder eine Tür
Vorher schien alles eindeutig:
Sie versteht mich nicht. Sie berücksichtigt meine Bedürfnisse nicht. Wir passen nicht zusammen. Ich sollte mich besser trennen.
Jetzt gibt es wieder mehrere Möglichkeiten.
Sie könnten nochmal über den Urlaub sprechen. Sie könnten sich gegenseitig zuhören. Die Perspektive des anderen nicht mehr als Hindernis wahrnehmen. Vielleicht finden sie eine Lösung, die keiner von beiden am Anfang vorgeschlagen hätte.
Und vielleicht ist das Wichtigste gar nicht die Frage, wo sie im Februar hinfahren. Eher geht es darum, dass beide wieder aus ihrer jeweiligen Ecke herauskommen.
Genau darin liegt für mich der Wert der Hermetischen Gesetze
Die Hermetischen Gesetze lösen keinen Streit für dich. Sie sagen dir nicht, wer recht hat. Und sie nehmen dir auch keine schwierigen Entscheidungen ab.
Ihre Stärke liegt woanders. Sie können helfen, eine festgefahrene Situation größer zu machen als die Geschichte, in der du gerade gefangen bist.
Du kannst plötzlich fragen:
Was habe ich selbst in diese Situation mitgebracht?
Was berührt mich daran so stark?
Was ist die andere Seite dessen, was ich gerade ablehne?
Welche Kräfte wirken hier gerade zusammen?
Was verändert sich, wenn sich meine eigene Haltung verändert?
Und welche Möglichkeiten entstehen, die ich vorher überhaupt nicht sehen konnte?.
Wenn du selbst gerade mitten in so einer Situation steckst
Vielleicht geht es bei dir nicht um einen Urlaub. Vielleicht geht es um deinen Partner. Oder deine Familie. Deinen Beruf. Einen Umzug. Eine Entscheidung, die du seit Wochen vor dir herschiebst. Einen Konflikt, bei dem du inzwischen gar nicht mehr weißt, wie er eigentlich angefangen hat. Oder um etwas, das du niemandem erzählen kannst.
Und vielleicht kennst du gerade dieses Gefühl: „Ich habe alles durchdacht. Aber ich sehe keinen Weg.“
In solchen Situationen ist es manchmal gar nicht so leicht, selbst eine neue Perspektive einzunehmen. Das liegt nicht daran dass du zu wenig reflektiert bist. Du bist nur einfach selbst zu nah dran – eben weil es direkt dich betrifft.
Unter solchen Umständen kann ein Mensch von außen hilfreich sein. Nicht jemand, der dir sagt, was du tun sollst. Jemand, der zuhört, Fragen stellt und mit dir gemeinsam nach den Dynamiken schaut, die du selbst gerade nicht sehen kannst.
Genau so verstehe ich meine Begleitung.
Die Hermetischen Gesetze sind dabei eines meiner wichtigsten Denkwerkzeuge. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren damit, solche Prinzipien nicht nur theoretisch zu kennen, sondern sie auf konkrete Lebenssituationen anzuwenden und immer feiner darin zu werden, was eine Situation tatsächlich in Bewegung bringen kann.
Vermutlich brauchst du deshalb gerade nicht die nächste fertige Antwort. Vielleicht brauchst du zunächst nur jemanden, der mit dir gemeinsam anders hinschaut. In vielen Fällen ist der Weg aus einer festgefahrenen Situation nicht dort zu finden, wo wir bisher gesucht haben.
Die Lösung ergibt sich vielmehr aus einer Perspektive, die wir bisher noch nicht eingenommen haben.